Verantwortungslücke: Automatisierung schwächt Zuständigkeit in Agenten‑Systemen
In modernen CI/CD‑Pipelines, die von Agenten generierten Code integrieren, tritt ein strukturelles Problem auf: Entscheidungen werden zwar formal korrekt genehmigt, doch niemand besitzt gleichzeitig die Autorität und das Verständnis, um diese Entscheidungen zu verantworten. Dieses Phänomen wird als Verantwortungslücke bezeichnet.
Die Verantwortungslücke entsteht, wenn die Durchsatzrate der von Agenten erzeugten Entscheidungen die begrenzte menschliche Verifizierungskapazität übersteigt. Sobald dieser Schwellenwert überschritten ist, funktioniert die Verifizierung nicht mehr als entscheidungsrelevanter Kriterium, sondern wird zu einer rituellen Genehmigung, die sich auf Proxy‑Signale stützt.
Ein weiteres Problem ist die CI‑Verstärkungsdynamik: Durch die Erhöhung der automatisierten Validierungsabdeckung steigt die Dichte der Proxy‑Signale, ohne dass die menschliche Kapazität wiederhergestellt wird. Unter festen Zeit- und Aufmerksamkeitsbeschränkungen beschleunigt dies die kognitive Auslagerung und vergrößert die Kluft zwischen formaler Genehmigung und epistemischem Verständnis.
Zusammenfassend zeigt die Analyse, dass zusätzliche Automatisierung die Verantwortungslücke nicht mildert, sondern verstärkt. Ohne organisatorische Maßnahmen, die Autorität und Verifizierungskapazität in Einklang bringen, bleibt die Verantwortungslücke bestehen und kann zu unkontrollierten Entscheidungen führen.