KI-Modelle verwechseln Verbot mit Erlaubnis – Negationsfehler enthüllt

arXiv – cs.AI Original ≈1 Min. Lesezeit
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Wenn ein Nutzer einer KI sagt, jemand nicht etwas tun soll, soll das System das als Verbot interpretieren. In Wirklichkeit machen viele große Sprachmodelle genau das Gegenteil: Negierte Anweisungen werden als Bestätigungen gelesen. In einer umfassenden Studie wurden 16 Modelle in 14 ethischen Szenarien geprüft. Dabei zeigte sich, dass Open-Source-Modelle unter einfacher Negation 77 % der Zeit verbotene Handlungen befürworten und bei zusammengesetzten Negationen sogar 100 % – ein Anstieg von 317 % im Vergleich zur positiven Formulierung. Auch kommerzielle Modelle sind nicht frei von Fehlern: Ihre Schwankungen liegen zwischen 19 % und 128 %. Die Übereinstimmung der Modelle sinkt von 74 % bei positiven Eingaben auf 62 % bei negierten. Besonders fragil sind finanzielle Szenarien, die doppelt so leicht zu Fehlinterpretationen führen wie medizinische Fälle. Diese Muster bleiben auch bei deterministischer Dekodierung bestehen, sodass Sampling‑Rauschen ausgeschlossen ist.

Die Autoren stellen Fallstudien vor, die zeigen, wie solche Fehler in der Praxis ausfallen, und führen das Negation Sensitivity Index (NSI) als neues Governance‑Metrik ein. Außerdem skizzieren sie ein mehrstufiges Zertifizierungs‑Framework mit domänenspezifischen Schwellenwerten. Die Ergebnisse verdeutlichen, dass aktuelle Alignment‑Techniken noch nicht ausreichen, um KI‑Modelle zuverlässig zwischen „X tun“ und „X nicht tun“ zu unterscheiden. Modelle, die diese Unterscheidung nicht zuverlässig treffen, sollten in Hochrisikokontexten keine autonomen Entscheidungen treffen dürfen.

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